Psychologischer Hintergrund aus der Verhaltenstherapie: Das Essverhalten der Katze
- Manuela Karolewiez
- 23. Nov. 2024
- 4 Min. Lesezeit

Das Essverhalten von Katzen ist ein faszinierender und oft unterschätzter Aspekt ihrer Natur. Wer sich intensiver damit beschäftigt, erkennt schnell, dass hinter ihrem Fressen viel mehr steckt als bloße Nahrungsaufnahme. Aus der Verhaltenstherapie wissen wir, dass Faktoren wie Futterprägung, Gewohnheiten und psychologische Bedürfnisse das Essverhalten stark beeinflussen. Dieser Blog beleuchtet diese Zusammenhänge, ergänzt durch persönliche Einblicke aus dem Leben meiner Katzen und praxisnahe Tipps, die zeigen, wie man positiv auf das Fressverhalten seiner Samtpfote einwirken kann.
Futterprägung – der Schlüssel zu lebenslangem Essverhalten
Die Futterprägung ist eine der wichtigsten Phasen im Leben einer Katze und beginnt schon sehr früh – meist in den ersten acht bis zwölf Lebenswochen. In dieser Zeit lernen Kätzchen durch die Mutter und ihre Umgebung, welche Nahrungsmittel sie als sicher und schmackhaft empfinden. Alles, was sie in dieser Phase nicht kennenlernen, kann später von der Katze als fremd und unerwünscht abgelehnt werden.
Besonders problematisch wird es, wenn Kitten ausschließlich Trockenfutter oder minderwertige Futtersorten erhalten. Diese Nahrung mag zwar kurzfristig praktisch sein, kann aber langfristig zu gesundheitlichen Problemen wie Übergewicht, Zahnstein oder Blasenproblemen führen. Katzen entwickeln zudem eine Art “Präferenzblockade” – sie akzeptieren dann nur noch dieses eine Futter. Eine ausgewogene und vielseitige Fütterung in der Prägephase ist daher essenziell.
Bei meinen eigenen Katzen habe ich gemerkt, wie wichtig es ist, frühzeitig auf hochwertige Ernährung zu setzen. Meine Katze Lea (eine BLH) kam als Kitten zu mir und wurde von Beginn an mit Nassfutter von hoher Qualität gefüttert. Sie probiert heute fast alles, ohne wählerisch zu sein. Ganz anders war es bei Mailo, meinem Maine-Coon, der als Jungtier auf Trockenfutter geprägt wurde und eine starke Abneigung gegen Nassfutter entwickelte. Es hat Monate gedauert, ihn langsam umzustellen, doch das Ergebnis war eine deutliche Verbesserung seines Wohlbefindens.
Psychologische Hintergründe: Warum ist die Futterprägung so wichtig?
Aus verhaltenstherapeutischer Sicht ist die Futterprägung ein Schutzmechanismus, der aus der Evolution stammt. In der freien Natur haben Katzen gelernt, unbekannte Nahrung zu meiden, um Vergiftungen zu vermeiden. Diese Neophobie, also die Angst vor Neuem, ist bei vielen Hauskatzen nach wie vor ausgeprägt. Während das früher überlebenswichtig war, führt es heute häufig dazu, dass Katzen nur schwer auf hochwertiges oder artgerechtes Futter umzustellen sind.
Ein weiterer Faktor ist der Geruchssinn. Katzen sind sogenannte Makrosmaten, also Tiere mit einem sehr ausgeprägten Geruchssinn. Sie entscheiden oft allein anhand des Geruchs, ob ein Futter akzeptabel ist. Hinzu kommt, dass Katzen anders als Menschen Süßes nicht schmecken können, was bedeutet, dass der Geruch und die Textur eine noch größere Rolle spielen.
Ich habe das bei meiner Katze Balou hautnah erlebt. Er ist extrem wählerisch und entscheidet oft schon beim Schnuppern, ob sie das Futter überhaupt anrührt. Einmal versuchte ich, ihm mit einer neuen Futtersorte zu überraschen – das Ergebnis war ein beleidigter Blick und ein leerer Napf. Erst nachdem ich das Futter leicht angewärmt hatte, sodass es intensiver roch, begann sie vorsichtig zu probieren.

Stress und Umwelt: Der unsichtbare Einfluss auf das Fressverhalten
Nicht nur die Prägung, sondern auch äußere Faktoren wie Stress, die Umgebung und die Fütterungsrituale beeinflussen das Essverhalten von Katzen. Katzen sind Gewohnheitstiere, die feste Rituale und eine sichere Umgebung benötigen, um entspannt zu fressen.
Beispiele aus der Praxis zeigen, dass bereits kleine Veränderungen – wie ein neuer Napf oder ein Umstellen der Fressplätze – dazu führen können, dass Katzen ihr Futter verweigern. Auch Konkurrenz durch andere Tiere im Haushalt kann eine Rolle spielen. Gerade bei Mehrkatzenhaushalten kommt es häufig vor, dass dominantere Tiere schüchterne Katzen beim Fressen einschüchtern. In solchen Fällen ist es wichtig, jedem Tier einen eigenen, ruhigen Futterplatz anzubieten.
Ich habe das mit meinen Katzen Mia und Lea erlebt. Während Lea sehr selbstbewusst ist und sofort zum Napf stürmt, wartet Mia lieber ab. Sie frisst nur, wenn sie ungestört ist, und bevorzugt einen eigenen Platz abseits der anderen Katzen. Sobald ich diese Fütterungsroutine eingeführt hatte, konnte ich beobachten, wie viel entspannter Mia wurde.
Gesundheitliche Auswirkungen falscher Fütterung
Das Essverhalten einer Katze hat nicht nur psychologische, sondern auch gesundheitliche Folgen. Katzen, die ausschließlich Trockenfutter bekommen, trinken oft nicht genug, was langfristig zu Nierenproblemen oder Harnwegserkrankungen führen kann. Ebenso kann ein monotones Futterangebot zu Mangelerscheinungen oder Übergewicht führen.
Eine ausgewogene Ernährung mit hochwertigem Nassfutter, das einen hohen Fleischanteil hat (idealerweise über 90 %), ist daher essenziell. Ergänzungen wie natürliche Öle oder Futterzusätze können die Gesundheit weiter fördern. Ich schwöre persönlich auf die Produkte von Anifit, die meine Katzen nicht nur lieben, sondern die auch zu ihrem Wohlbefinden beitragen.
Praktische Tipps für ein besseres Essverhalten
• Langsame Umstellung: Wenn deine Katze neue Futtersorten verweigert, mische diese schrittweise unter das gewohnte Futter. Beginne mit kleinen Mengen und steigere diese langsam.
• Wärme und Geruch: Erwärme das Nassfutter leicht (z. B. mit warmem Wasser), um den Geruch intensiver zu machen. Katzen reagieren darauf oft positiv.
• Stressfreie Fütterung: Sorge dafür, dass der Fressplatz ruhig und sauber ist. Vermeide Störungen durch laute Geräusche oder andere Haustiere.
• Abwechslung in Maßen: Biete deiner Katze verschiedene Geschmacksrichtungen an, um sie an Vielseitigkeit zu gewöhnen. Achte dabei immer auf hochwertige Inhaltsstoffe.
Fazit: Essverhalten verstehen und positiv beeinflussen
Das Essverhalten einer Katze ist weit mehr als bloßes Fressen. Es spiegelt ihre Prägung, Instinkte und den Einfluss ihrer Umgebung wider. Mit Geduld, Verständnis und dem richtigen Wissen kann man jedoch viel erreichen – sowohl für die Gesundheit als auch für die Lebensqualität seiner Katze.
Meine Erfahrungen mit meinen Katzen haben mir gezeigt, wie wichtig es ist, auf ihre individuellen Bedürfnisse einzugehen. Jede Katze hat ihren eigenen Charakter und ihre eigenen Vorlieben. Doch eines ist sicher: Mit hochwertigem Futter und einer stressfreien Umgebung tut man seinem Tier einen unschätzbaren Gefallen – für ein glückliches, gesundes Katzenleben.
Comments