Warum zu viele verschiedene Futtersorten Katzen mäkelig machen können – und wie du es besser machst
- Manuela Karolewiez
- 14. Jan.
- 7 Min. Lesezeit

Als Katzenhalterin möchte man natürlich nur das Beste für seine Samtpfoten – und das schließt die Auswahl des Futters mit ein. Doch gerade hier lauert eine Falle: Wenn Katzen ständig unterschiedliche Futtersorten vorgesetzt bekommen, kann das nicht nur Verdauungsprobleme verursachen, sondern sie auch zu regelrechten kleinen Gourmets erziehen, die irgendwann alles ablehnen, was nicht ihrem verwöhnten Geschmack entspricht.
Ich habe selbst diese Erfahrung gemacht und möchte mit dir teilen, warum weniger manchmal mehr ist und wie du es schaffst, eine gesunde Routine zu etablieren, die deine Katze liebt – ohne mäkelig zu werden.
Warum Katzen mäkelig werden, wenn sie ständig andere Sorten bekommen
Katzen sind Gewohnheitstiere. In der freien Natur jagen sie zwar verschiedene Beutetiere, aber ihr Futter bleibt in seiner Zusammensetzung recht konstant: Es besteht aus Fleisch, Blut, Knochen und Innereien. Wenn wir unseren Katzen jedoch ständig neue Geschmacksrichtungen und Marken anbieten – heute Huhn, morgen Rind, übermorgen Lachs – kann das dazu führen, dass sie ihren natürlichen Rhythmus verlieren und anfangen, immer nach dem “nächsten besten Leckerbissen” zu suchen.
Das Problem dabei ist, dass Katzen durch ständige Futterwechsel verwirrt werden und sich auf bestimmte Vorlieben einschießen. Manche Katzen fressen dann plötzlich nur noch “Gelee”, “Sößchen” oder Trockenfutter und verschmähen hochwertige, fleischbasierte Nahrung. Das Mäkelverhalten wird immer schlimmer und kann auch zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen führen.
1. Konditionierung durch Belohnung
Katzen sind schlau und merken schnell, dass sie nach einer Phase des “Nicht-Fressens” mit einer neuen, leckereren Sorte belohnt werden. Sie lernen: „Wenn ich lange genug warte, bekomme ich etwas Besseres!“ Das fördert das Mäkelverhalten regelrecht und führt dazu, dass sie bewusst verweigern, bis die Lieblingssorte im Napf landet.
2. Gewöhnung an intensivere Gerüche und Aromen
Viele günstige Futtersorten enthalten künstliche Aromastoffe oder Lockmittel, die extrem stark riechen und den natürlichen Geruch von hochwertigem Fleisch überdecken. Katzen gewöhnen sich an diesen intensiven Geruch und empfinden natürliches Futter plötzlich als „fade“. Ein ständiges Wechseln zwischen diesen Sorten verstärkt diesen Effekt.
3. Sensorische Überforderung
Katzen nehmen ihr Futter nicht nur über den Geschmack wahr, sondern auch über Textur, Geruch und Temperatur. Wenn ständig neue Varianten und Konsistenzen (z. B. Paté, Stückchen, Gelee) angeboten werden, kann das zu einer Überforderung der Sinne führen. Einige Katzen reagieren darauf mit totaler Verweigerung oder entwickeln Vorlieben für nur eine bestimmte Konsistenz.
4. Verdauungsschwierigkeiten verstärken das Verhalten
Wenn der Magen-Darm-Trakt durch häufigen Futterwechsel gereizt wird, kann es zu Übelkeit oder Bauchschmerzen kommen. Katzen verknüpfen das Futter mit einem schlechten Gefühl und verweigern es aus Vorsicht, auch wenn es an sich hochwertig ist. Sie suchen nach Futter, das für sie „sicher“ scheint, oft solche Sorten, die besonders fettig oder weich sind.
5. Evolutionäres Misstrauen gegenüber Neuem (Neophobie)
Katzen haben von Natur aus eine gewisse Skepsis gegenüber neuen Nahrungsmitteln. Das schützt sie in der Wildnis vor verdorbenem oder giftigem Futter. Wenn sie ständig mit neuen Sorten konfrontiert werden, kann sich dieses Misstrauen verstärken, und sie beginnen generell, wählerischer zu werden.
6. Schlechte Erfahrungen mit bestimmten Futtersorten
Eine schlechte Erfahrung mit einer bestimmten Futtersorte – z. B. Erbrechen oder Durchfall – kann dazu führen, dass die Katze extrem vorsichtig wird und plötzlich nur noch sehr eingeschränkt frisst. Ein häufiges Wechseln zwischen Sorten kann solche schlechten Erfahrungen wahrscheinlicher machen.

Was passiert im Katzenkörper bei häufigem Wechsel?
1. Magen-Darm-Stress: Der Darm von Katzen reagiert sensibel auf abrupte Futterwechsel. Unterschiedliche Zusammensetzungen können Durchfall, Blähungen und Erbrechen auslösen.
2. Appetitverlust: Eine Katze, die ständig verwöhnt wird, kann schnell den Appetit verlieren, wenn das „Gewohnte“ plötzlich fehlt. Sie wartet buchstäblich auf etwas „Besseres“.
3. Unausgewogene Ernährung: Bei zu viel Abwechslung kann es passieren, dass die Katze wichtige Nährstoffe nicht ausreichend bekommt, weil sie von allem nur ein bisschen isst oder zu viel minderwertiges Futter dabei ist.
4. Sucht nach Zusatzstoffen: Einige minderwertige Futtersorten enthalten Lockstoffe und Aromen, die das Futter extrem schmackhaft machen. Katzen gewöhnen sich daran und lehnen natürliches Futter ab, weil es im Vergleich “langweilig” schmeckt.
Ja, es gibt noch weitere Punkte, die verdeutlichen, was im Katzenkörper bei häufigem Wechsel passiert:
5. Belastung der Darmflora
Ein häufiger Futterwechsel beeinflusst die Zusammensetzung der Darmflora negativ. Der Darm benötigt Zeit, um sich auf ein bestimmtes Futter einzustellen und eine stabile Bakterienkultur aufzubauen, die für eine gesunde Verdauung sorgt. Häufig wechselnde Futterbestandteile können das Gleichgewicht der Darmbakterien stören und zu einer gestörten Verdauung und sogar einer chronischen Entzündung führen.
6. Erhöhtes Risiko für Futtermittelallergien oder Unverträglichkeiten
Der Körper kann auf häufig wechselnde Proteinquellen mit einer Abwehrreaktion reagieren. Je mehr verschiedene Sorten und Inhaltsstoffe gefüttert werden, desto höher ist das Risiko, dass der Körper bestimmte Proteine als „fremd“ einstuft und allergisch darauf reagiert. Das kann sich in Form von Juckreiz, Hautproblemen oder Durchfall äußern.
7. Schwankender Blutzuckerspiegel
Bestimmte Futterwechsel – vor allem, wenn sie zu Sorten mit einem hohen Anteil an Kohlenhydraten führen – können den Blutzuckerspiegel stark beeinflussen. Ein unausgeglichener Blutzucker kann dazu führen, dass Katzen zwischen Hungerattacken und Fressverweigerung hin- und herpendeln. Dies belastet langfristig auch die Bauchspeicheldrüse und kann Erkrankungen wie Diabetes fördern.
8. Schlechtere Aufnahme von Nährstoffen
Der Verdauungstrakt braucht Zeit, um bestimmte Enzyme in ausreichender Menge bereitzustellen, um das Futter zu verwerten. Bei häufig wechselnden Proteinquellen oder Zusammensetzungen kann es passieren, dass der Körper nicht genügend Verdauungsenzyme für das neue Futter produziert. Das führt dazu, dass Nährstoffe nicht optimal aufgenommen werden, was langfristig zu Mangelerscheinungen führen kann.
9. Emotionaler Stress durch Unsicherheit
Katzen verknüpfen Futter auch mit Wohlbefinden und Sicherheit. Ein häufiger Wechsel kann dazu führen, dass sie sich unsicher fühlen, weil sie nicht wissen, ob sie “ihr gewohntes Futter” bekommen. Stress schlägt vielen Katzen buchstäblich auf den Magen und kann Erbrechen und Appetitverlust auslösen.
10. Gewichtszunahme oder Gewichtsverlust
Manche Katzen neigen dazu, durch Futterwechsel entweder viel zu wenig oder zu viel zu fressen. Wenn sie bei jeder neuen Sorte erst einmal „probieren“ oder nur das Gelee oder die Soße ausschlecken, können sie an Gewicht verlieren. Andere Katzen wiederum überfressen sich, wenn sie besonders schmackhafte Sorten bekommen, was zu einer unkontrollierten Gewichtszunahme führt.
11. Verstärkter Durst oder Flüssigkeitsmangel
Futterwechsel, vor allem zwischen verschiedenen Konsistenzen (z. B. Trockenfutter und Nassfutter), können das Trinkverhalten der Katze beeinflussen. Bei plötzlichem Wechsel auf sehr wasserarmes Futter (wie Trockenfutter) ohne Anpassung des Trinkverhaltens kann es zu Dehydrierung kommen. Das belastet vor allem die Nieren und kann langfristig zu Erkrankungen wie Harnsteinen oder Nierenproblemen führen.
Meine persönlichen Erfahrungen
Ich habe das bei meiner eigenen Katzenbande hautnah erlebt. Besonders Balou, mein großer BKH-Kater, war eine echte Herausforderung. Balou ist ein richtiges Schleckermäulchen und hatte schon als Kitten eine Vorliebe für alles, was weich und „sämig“ ist. Ich wollte ihm natürlich etwas Gutes tun und habe oft verschiedene Sorten und Marken ausprobiert, weil ich dachte: „Abwechslung ist doch toll, er soll sich nicht langweilen!“
Anfangs lief es super – er fraß begeistert alles, was ich ihm hinstellte. Aber irgendwann fiel mir auf, dass er immer gezielter nur das Gelee oder die Soße abschleckte und die Fleischstücke liegen ließ. Ich dachte noch: „Ach, vielleicht hat er heute einfach keinen Hunger.“ Doch es wurde schlimmer. Er hat lieber komplett gehungert, als auch nur einen Bissen von etwas zu fressen, das nicht in Soße schwamm. Ich war verzweifelt und hatte Sorge, dass er zu wenig Nährstoffe bekommt.
Es war nicht nur anstrengend für ihn, sondern auch für mich. Jedes Mal ein neues Futter zu öffnen, zu hoffen, dass er es frisst – nur um dann festzustellen, dass er es ignoriert – hat mich frustriert. Ich war kurz davor, aufzugeben und dachte, ich müsste einfach immer neue Varianten testen.
Die Kehrtwende: Konsequent bleiben und Vertrauen aufbauen
Dann habe ich beschlossen, die Reißleine zu ziehen. Mir war klar: So geht es nicht weiter. Ich habe eine klare Linie gefahren und mich für ein hochwertiges Futter mit einem hohen Fleischanteil entschieden. Keine Soße, kein „Lockmittel“, sondern reines, gesundes Fleisch. Der Übergang war natürlich nicht leicht. Die ersten Tage hat Balou das Futter nur skeptisch beschnuppert und mich dabei fast vorwurfsvoll angesehen – das hat echt an meinen Nerven gezehrt. Aber ich wusste: Er wird nicht verhungern, er testet mich nur.
Ich blieb konsequent, habe aber auch darauf geachtet, den Übergang nicht zu abrupt zu machen. Ich habe zunächst etwas von seinem geliebten „Soßen-Futter“ untergemischt und den Anteil nach und nach reduziert. Nach einer Woche war es soweit: Balou fraß mit Genuss und ohne Theater das hochwertige bedarfsdeckende Nassfutter. Ich war so erleichtert!
Was ich gelernt habe
Diese Erfahrung hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, geduldig zu bleiben und nicht nachzugeben, wenn die Katze anfängt zu mäkeln. Katzen sind Meister darin, uns zu manipulieren – und ja, ich war auch eine Zeit lang ihr „Dosenöffner auf Abruf“. Aber ich habe auch gelernt, dass hochwertige Nahrung und eine feste Routine das Vertrauen stärken und langfristig zu einem gesunden Fressverhalten führen.
Heute frisst Balou ohne Probleme sein Futter, und wenn ich mal abwechsle, dann nur innerhalb der gleichen Marke, damit er nicht wieder anfängt, nach Soßen und Geschmacksfeuerwerken zu verlangen.
Falls du ähnliche Erfahrungen machst: Bleib stark und lass dich nicht verunsichern. Deine Katze testet dich – aber wenn du ruhig und konsequent bleibst, wird sie das hochwertige Futter akzeptieren und merken, dass es gut für sie ist. Und wenn du Unterstützung brauchst oder Tipps zur Futterumstellung möchtest: Ich helfe dir gerne!
Tipps: So vermeidest du Mäkeligkeit bei deiner Katze
1. Bleibe bei einer Marke mit wenigen Sorten: Es ist völlig ausreichend, wenn du ein paar hochwertige Sorten im Wechsel anbietest (z.B. Huhn und Rind). Zu viele verschiedene Geschmacksrichtungen sind nicht nötig.
2. Hochwertiges Nassfutter statt Trockenfutter: Billiges Trockenfutter enthält oft Getreide, Zucker und Lockstoffe – genau das macht süchtig und führt dazu, dass das natürliche Fressverhalten gestört
3. Langsame Umstellung: Wenn du ein neues Futter einführen willst, mische es über mehrere Tage in kleinen Mengen unter das alte Futter. So vermeidest du Magen-Darm-Probleme.
4. Keine Leckerlis als Hauptfutter: Auch ich bin schuldig, meinen Katzen früher mal zu viele Leckerlis gegeben zu haben – vor allem diese Schleckpasten. Aber Achtung: Das kann dazu führen, dass sie das normale Futter ignorieren, weil es nicht so „lecker“ ist.
5. Geduld zeigen: Manche Katzen protestieren, indem sie hungern. Aber gesunde Katzen können problemlos mehrere Stunden nichts fressen. Gib nicht nach und bleib konsequent – deine Katze gewöhnt sich an die Routine.
Mein Fazit:
Mäkelige Katzen sind oft ein Resultat unserer gut gemeinten, aber übertriebenen Bemühungen. Es ist völlig okay, seiner Katze etwas Abwechslung zu bieten – aber in Maßen und nicht jeden Tag eine neue Sorte. Hochwertiges Futter mit einem konstant hohen Fleischanteil ist der Schlüssel zu einem gesunden Fressverhalten. Und denke immer daran: Du bist der Ernährungsmanager deiner Katze. Wenn du die Kontrolle behältst und nicht bei jedem Mäkeln sofort die nächste Geschmacksrichtung ausprobierst, wird deine Katze lernen, das Futter zu akzeptieren und sogar zu genießen.
Hast du ähnliche Erfahrungen gemacht oder brauchst Unterstützung bei der Futterumstellung? Ich freue mich, von dir zu hören und helfe dir gerne weiter!
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